Kurzes Positionspapier zu den Kommunalwahlen 2026:

Erwartungen an die zukünftige Kommunalpolitik

Der steigende Anteil älterer Menschen an der Bevölkerung schafft im großen Umfang Handlungsbedarf, um den Menschen ein angemessenes Altern zu ermöglichen und die Integration aller Generationen in das ge-sellschaftliche Leben zu gewährleisten.

Die „Interessenvertretung für ältere Menschen …“ legt im Folgenden anlässlich der anstehenden Kommunal-wahlen Forderungen zur Verbesserung der Situation älterer Menschen in Darmstadt und den Darmstädter Stadtteilen vor.

Wir erwarten von den politisch Verantwortlichen:

Ein Konzept, wie notwendige Maßnahmen in einem nachvollziehbaren Zeitrahmen auch unter schwierigen finanziellen Bedingungen umgesetzt werden können.

I. Leben und Bleiben im Quartier

Menschen müssen die Gelegenheit erhalten in ihrer häuslichen und sozialräumlichen Umgebung alt zu wer-den. Der Verdrängung in stationäre Pflegeeinrichtungen ist Einhalt zu gebieten durch eine leistungsfähige Struktur wohnnaher Unterstützungsangebote.

Gemeindepflege

Die Erfahrungen mit den in Darmstadt in einigen Stadtteilen eingesetzten Gemeindepflegerinnen zeigen, dass dieses aufsuchende Angebot, in Ergänzung zu Pflegestützpunkten und Pflegediensten, notwendig ist. Derartige Unterstützungsangebote sind für die Stadt in der Gesamtbetrachtung (mit anderen sonst not-wendigen Pflegeleistungen) kostengünstig.

Wir fordern:
Die Verstetigung der bestehenden Gemeindepflegeangebote durch Entfristung der Arbeitsverhältnisse und die Ausweitung des Angebots auf alle Stadtteile.

Darüber hinaus bedarf es
• bezahlbarer, barrierefrei angepasster Wohnungen
• täglicher öffentlicher Mittagstische in allen Quartieren
• gezielter, sozialer Entwicklung der Quartiere durch professionelles Quartiersmanagement unter Einbeziehung und Förderung ehrenamtlichen Engagements
• ortsnaher Angebote öffentlicher und privater Dienstleistungen (Geldautomaten, Bürgerbüros, Pflegedienste, medizinische ärztliche Versorgung, Physiotherapie, Apotheke, fußläufige Erreichbarkeit für Einkäufe des alltäglichen Bedarfs
• Räume in der sich Nachbarschaft treffen kann (zum Austausch/Unterstützung, Kultur, Ausflüge, Sport usw.)
• Öffentlicher Toiletten und Sitzgelegenheiten die auch älteren Menschen mit entsprechenden Einschränkungen oder Bedarfen die Teilhabe im Quotier und darüber hinaus ermöglichen

II. Mobilität

Die eigene Mobilität ist ein wesentlicher Baustein, um seinen Alltag, sein Leben möglichst eigenständig zu gestalten und aktiv am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können.
Verkehrsflächen, die zu Fuß begangen werden, müssen gefahrlos begehbar sein. Der ÖPNV muss für ältere Menschen attraktiv, zuverlässig, zugänglich und gut nutzbar sein, auch für Menschen mit eingeschränkter Mobilität. Dazu gehören auch günstige Tarife und (mehr) Haltepunkte in Wohnnähe.

Das bedeutet u. a.:

Für Fußgänger
• keine Stolperstellen auf Gehwegen und Plätzen, Absenkung von Bordsteinen
• Sitzgelegenheiten und Stehhilfen zum Warten auf den ÖPNV und zum Unterwegs-Verschnaufen
• Zebrastreifen, ampelgeregelte Fußgängerüberwege und Mittelinseln zur gefahrloseren Straßenüberquerung

Bus- und Straßenbahnnutzung
• bedarfsgerechte Betätigung von Absenkeinrichtung und Rampe
• Heranfahren an den Bordstein bei Haltestellen
• funktionierende und aktuelle optische Anzeigen
• Möglichkeit Fahrscheine im Fahrzeug mit Bargeld zu bezahlen

Haltestellen
• funktionierende, aktuelle und gut lesbare Aushänge und optische Anzeigen auch bei schlechtem Wetter oder starker Sonneneinstrahlung
• flächendeckend einfach zu bedienende Fahrscheinautomaten
• Barrierefreier Ausbau der Haltestellen einschließlich der Ein-/Ausstiegsbereiche
• Klare, eindeutige Beschilderung und Wegweisung an Umsteigehaltestellen
• Sicherstellung der Erreichbarkeit von Ersatzhaltestellen und dort haltenden Fahrzeugen für Mobilitätseingeschränkte
• Wetterschutz

Fahrpläne
• Bessere zeitliche Abstimmung der Umsteigemöglichkeiten an ÖPNV-Knotenpunkten (Vermeidung langer Wartezeiten, Sicherstellung dass auch langsame (z. B. gehbehinderte) NutzerInnen den Anschluss erreichen können)
• Personal
Aus- und Weiterbildung des Fahrpersonals hinsichtlich angemessener Fahrweise und Berücksichtigung der Bedarfe mobilitätseingeschränkter Menschen

III. Digitales
Ältere Menschen sind durch gravierende Veränderungen hinsichtlich gesellschaftlicher Teilhabe betroffen.

Die Veränderungsgeschwindigkeiten digitaler Prozesse überfordern mit zunehmendem Alter selbst EDV- kundige Seniorinnen und Senioren. Ältere NutzerInnen analoger Prozesse und Anwendungen werden durch eine immer umfassendere Digitalisierung ausgegrenzt. Auch Jüngere werden in diese, mit dem Alter auftre-tenden, Problemstellungen hineinwachsen.

Verhinderung der „digitalen“ Überforderung im Alter:

Wir fordern ein Recht auf analoges Leben!

  • Keine ausgrenzende Digitalisierung für Senioren durch Isolierung des Einzelnen, sondern Unterstützung persönlicher sozialer Kommunikation in Quartieren bzw. Netzwerken
    • Aufrechterhaltung analoger und persönlicher Zugangswege
    • Finanzierung von Beratungsstellen für Senioren in allen Fragen von digitalen Medien (z.B. digitale Stützpunkte, Digitallotsen),
    • Hilfe bei digitaler Bedrohung, digitalem Betrug und digitaler Gewalt sowie Förderung von Präventionsmaßnahmen
    • Entwicklung einfach zu bedienender APPs, die das Alltagsleben für ältere Menschen in unserer Stadt erleichtern.

IV. Sicherheit der älteren Menschen in Darmstadt
Sich sicher zu fühlen, gehört zu den Grundbedürfnissen gerade älterer Menschen. Insbesondere die auf Se-niorInnen spezialisierte Kriminalität erfordert Aufklärung und Gegenmaßnahmen.

Wir fordern:
• Wege und Plätze müssen ausreichend beleuchtet sein
• Kostenfreie Notrufsysteme für Seniorinnen und Senioren auch ohne Pflegestufe
• Ausbau von Alarmsystemen im häuslichen Bereich
• Präsenz von Sicherheitskräften auch in Abend- und Nachtstunden
• Videoüberwachung im ÖPNV sowie an risikoreichen Orten

V. Klima und Hitzeschutz
Die zunehmende Erwärmung stellt für die Menschen, insbesondere im fortgeschrittenen Alter eine große Herausforderung da!

Durch besondere Maßnahmen ist hier entsprechend Vorsorge zu treffen.

  • Beteiligung älterer Menschen an der Umsetzung des Klimakonzepts der Stadt Darmstadt
    • Erweiterung der Trinkspenderstationen, flächendeckend in den Stadtteilen, digitale und analoge Informationen der Standorte
    • Bereitstellung von kühlen Aufenthaltsräumen ohne Konsumzwang, u.a. Einbeziehung der Wohnungsbaugesellschaften, Firmen, Hochschulen und Schulen
    • systematische Aufklärungsarbeit über angemessene Verhaltensweisen zur Vermeidung gesundheitlicher Schäden
    • Entsiegelung von Flächen, mehr Grün mit hoher Aufenthaltsqualität

VI. Ausbau der Beteiligungsmöglichkeiten
„Alter“ als Lebensphase hat sich in seiner Bedeutung verändert und verändert sich weiter.
Wir fordern:
die Erweiterung von Beteiligungsmöglichkeiten, z.B.
• Beteiligung beim städtischen Programm für Seniorinnen und Senioren bereits bei der Entstehung.
• Rederecht der „Interessenvertretung für ältere Menschen“ in der Stadtverordnetenversammlung bei Ältere betreffenden Angelegenheiten
• Bei der Weiterentwicklung des städtischen Altenplans

Beschlossen in der Vollversammlung der „Interessenvertretung für Ältere…“ am 13. Oktober 2025